Referent:
Staatsminister Ingmar Jung, Prof. Dr. Ramona Teuber, Marco Hepp, Manuel Schneider

Ingmar Jung (CDU)
Hessischer Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat und Mitglied der CDU.
Von 2010 bis 2017 war Ingmar Jung als Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst tätig und von
| 2017 bis 2024 als direkt gewählter Abgeordneter für den Bundestagswahlkreis Wiesba-den Mitglied des Deutschen Bundestages. Ingmar Jung absolvierte 1999 bis 2005 ein Studium der Rechtswissenschaften, welches er 2005 mit dem 1. Staatsexamen abschloss. Nach dem Rechtsreferendariat bestand er 2007 das zweite juristische Staatsexamen. Von 2007 bis zu seiner Ernennung zum Staatssekretär zum 1. Septem-ber 2010 war er als selbständiger Rechtsanwalt in Eltville am Rhein tätig. |

Prof. Dr. Ramona Teuber
Ramona Teuber ist promovierte Agrarökonomin.
Von 2011 bis 2015 war sie als wissen-schaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transfor-mationsländern (IAMO) in Halle (Saale) tätig. 2015 wurde sie Assistenz-professorin am Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomie (IFRO) der Universität Kopenhagen (Dänemark).

| Marco Hepp Vorstandsvorsitzender des Kreisbauernverbands Limburg – Weilburg e.V. Marco Hepp ist gelernter Landwirt und Agrarbetriebswirt. Seine Aufgaben-bereiche im Vorstand des Kreisbauern- verbandes umfassen die Verbandsführung, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Agrar- und Kommunalpolitik. Als Vorsitzender ist er automatisch Mitglied im Verbandsrat des Hessischen Bauernverbandes. |
| Seit Oktober 2018 ist sie Professorin für Marktlehre der Agrar- und Ernährungswirtschaft am Fachbereich Agrarwissenschaften, Ernährungswissenschaften und Umweltmanagement der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen. Darüber hinaus ist sie Mitglied des Vorstands des Zentrums für Internationale Entwicklungs- und Umweltforschung (ZEU) sowie Vorstandsvorsitzende des Zentrums für Nachhaltige Ernäh-rungssysteme (ZNE) an der JLU Gießen. Zudem war sie Mitglied der Zukunftskommission Landwirtschaft. |
| Zudem engagiert er sich beim Runden Tisch Tierwohl Hessen sowie im Landestierschutzbeirat. Er ist zudem Mitglied im Vorstand des Arbeitskreises Landwirtschaft, Handel und lndustrie Hessen e.V. Marco Hepp gehört den HBV-Ausschüssen Vieh & Fleisch sowie Jagd an und ist stellvertretender Kreislandwirt sowie stellvertretender Vorsitzender im Gebietsagrarausschuss. Beruflich engagiert er sich weiterhin als Mitglied im Prüfungsausschuss Landwirtschaft sowie im Meisterprüfungsausschuss. Mit seiner Familie bewirtschaftet er in 5. Generation den Wirtshäuserhof in Dauborn. Auf seinem Hof baut Hepp auf 110 Hektar Land Getreide sowie Ölfrüchte an und kümmert sich in der Summe um ca. 3.500 Tiere, u.a. im eigenen Maststall. |

Manuel Schneider
Geschäftsführer der Meat by Nature GmbH
Manuel bewirtschaftet mit seiner Familie den Hof Birkeneck mit Ackerbau und Grünland auf knapp 100ha Fläche. Schwerpunkt sind die rund 200 Weide-Duroc-Schweine mit Direkt-vermarktung im Hofladen und Onlineshop. Für dieses, nicht alltägliche, Haltungskonzept wurde der Betrieb in 2020 mit dem hessischen Tierschutzpreis in der Landwirtschaft und 2022 mit dem Innovationspreis Tierwohl der Initiative Tierwohl ausgezeichnet.
| Der Betrieb ist weiterhin Herdbuch Zuchtbetrieb der Fleischrinderrasse Aberdeen Angus und ein paar Wasserbüffel gehören ebenfalls dazu. Eine artgerechte naturnahe Haltung seiner Tiere und höchste Fleischqualität liegen ihm besonders am Herzen. Manuel Schneider engagiert sich als Impulsbetrieb im Fokus Netzwerk Tierwohl und ist Mitglied im Dialognetzwerk Zukunftsfähige Landwirtschaft des BMLEH und BMUKN. |

Die Landwirtschaft steht heute vor einer doppelten Herausforderung: Sie muss nicht nur die wachsende Nachfrage nach Lebensmitteln bedienen, sondern zugleich Biodiversität schützen und klimaneutral werden.
„Wir brauchen keine Gegensätze zwischen Bio und konventionell, sondern kluge Kombinationen beider Systeme“. Ökologischer Landbau leistet wichtige Beiträge zur Artenvielfalt, stößt jedoch an Grenzen bei der Produktivität. Konventionelle Landwirtschaft sichert hohe Erträge, verursacht jedoch häufig Belastungen für Klima und Natur. Zukünftig gilt es daher, Züchtungsfortschritt, digitale Technologien und vielfältige Fruchtfolgen stärker zu verbinden.
Ein entscheidender Hebel liegt auch im Konsum: In Deutschland liegt der Fleischverzehr mit rund 50 kg pro Kopf und Jahr noch immer deutlich über den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Diese rät zu 300–600 g Fleisch und Wurst pro Woche – also etwa 15–30 kg pro Jahr. Im Sinne von Gesundheit und Umwelt wird dabei häufig der untere Wert von 15–20 kg als Orientierung genannt. Auch die Planetary Health Diet setzt vergleichbare Zielgrößen. „Weniger, aber besser“ lautet daher die Devise – mit mehr Tierwohl, mehr Vielfalt in den Agrarlandschaften und einem klaren Beitrag zum Klimaschutz.
Hier kommt auch die Konsumentensouveränität ins Spiel: Verbraucherinnen und Verbraucher können mit ihren Kaufentscheidungen den Markt für nachhaltige Produkte stärken. Doch diese Macht hat Grenzen – solange ökologische Folgekosten wie Treibhausgasemissionen, Wasserbelastung oder Biodiversitätsverluste nicht in den Preisen enthalten sind, bleibt Fleisch künstlich günstig. Erst die Kombination aus bewusster Nachfrage und politischen Maßnahmen – etwa durch die Internalisierung externer Kosten, klare Kennzeichnungen und Anreizsysteme – schafft die Grundlage für eine nachhaltige Transformation.
Damit Landwirtinnen und Landwirte diesen Weg gehen können, braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen und Anreize, die nicht allein Produktionsmengen, sondern auch ökologische Mehrwerte honorieren. Biodiversität und Klimaschutz sind keine Nebeneffekte, sondern Leistungen für die gesamte Gesellschaft – und diese müssen fair entlohnt werden. Generell ist die Transformation zu nachhaltigeren Agrar- und Ernährungssystemen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. (Prof. Dr. Ramona Teuber)
